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Schlagwort-Archive: David Wagner

Autoren, die Preise gewinnen, haben es gut. Ihre Namen werden bekannter, ihre Bücher tragen den Aufkleber „Preis des ****“ und sie verkaufen mehr.

Ist das so?

Wer ist eigentlich Preisträger des diesjährigen Buchpreises der Leipziger Buchmesse?

Hier findet ihr Wissenswertes über den Autoren und sein Buch „Leben“

Zum Preis der Leipziger Buchmesse selbst:

Der Preis der Leipziger Buchmesse ehrt seit 2005 herausragende deutschsprachige Neuerscheinungen und Übersetzungen. Er ist mit insgesamt 45.000 Euro dotiert und wird zu gleichen Teilen in den Kategorien Belletristik, Sachbuch/Essayistik und Übersetzung verliehen. (Pressemitteilung Leipziger Buchmesse, Download)

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„Leben“ von Daniel Wagner

Rowohlt, 2013. 288 S. ISBN 978-3498073718. 19,95 €

Ein Mann liegt im Krankenhaus. Er hat eine neue Leber bekommen. Langsam, ganz langsam, bessert sich sein Gesundheitszustand. Lange hat er auf die Transplantation gewartet, immer am Rande des Todes. Von Kind an hatte er eine Autoimmunhepatitis, sein Immunsystem zersetzte das eigene Organ. Eine neue Leber war die einzige Rettung.
Als nun endlich der Anruf kommt, eine Leber sei gefunden, lehnt er zunächst ab. Er fühlt sich nicht vorbereitet. Wieder dauert es eine lange Zeit, bis er eine neue Chance bekommt. Dieses Mal ist es die letzte, denn eine erneute Ablehnung hätte dazu geführt, dass er von der Warteliste von Eurotransplant gestrichen worden wäre. Er wird in die Klinik gebracht, gibt seinen Körper ab und wie im Film schwenkt die Kamera in eine beobachtende distanzierte Position. Die Operation wird beschrieben, als ob es ein Lehrbuchtext wäre. Er ist nur noch lebloser Körper, von Maschinen am Leben gehalten.

Nun liegt er wieder in der Berliner Klinik, wie so oft. Seine Gedanken wandern. Über das Zimmer hinaus, in die Zukunft, in die Vergangenheit.

Zu dem unbekannten Menschen, dessen Leber er nun in sich trägt und der nun teilweise in ihm weiterlebt. War es ein alter Mann, in der Blüte seines Lebens stehend oder vielleicht eine junge Frau, die ähnlich wie seine frühere Freundin Rebekka einfach totgefahren wurde von einem Lieferwagen, plötzlich – von einer Sekunde auf die andere?

Hat er mit dem Organ auch ein Stück der fremden Persönlichkeit in sich aufgenommen? Er hat den Eindruck, dass er mit dem oder der Unbekannten in Beziehung steht. Wie wäre es, wenn er plötzlich bei den Hinterbliebenen dieses fremden Menschen an der Tür klingelt – oder umgekehrt sie bei ihm?

David Wagner hat ein Buch geschrieben, dessen Szenerie im ersten Augenblick minimalistisch erscheint. Ein Zimmer, ein Bett, Infusionsständer, Nachttisch. Kann daraus Spannung entstehen, die immerhin 288 Seiten Lesezeit rechtfertigt? Doch die Bewegung findet in Gedanken statt, in Erinnerungen, auch in surrealen Träumen. Es ist eine Reise bis an die Grenzen des Lebens und darüber hinaus.

Zwei unbedruckte graue Seiten in der Mitte symbolisieren den zeitweisen Tod. (In einem Interview während der Buchmesse in Leipzig wird der Autor erzählen, dass ihm schwarze Seiten lieber gewesen wären, doch das sei drucktechnisch nicht möglich gewesen.)

Gelesen und besprochen von: Rezensent 2

 

David Wagner, 1971 geboren, veröffentlichte im Jahr 2000 seinen Debütroman Meine nachtblaue Hose (Alexander Fest Verlag). Sein Roman Vier Äpfel (Rowohlt Verlag) stand auf der Longlist zum Deutschen Buchpreis 2009. Der Autor wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, darunter dem Walter-Serner-Preis und dem Georg-K.-Glaser-Preis. David Wagner lebt in Berlin.