Noch 450 Jahre to go…

The-Three-Body-Problem-Liu-Cixin
„Gibt es außer uns noch weiteres Leben im Universum?“
Wer kann von sich schon behaupten, er habe sich diese Frage nicht wenigstens einmal im Leben bereits gestellt?
Die Antwort jedenfalls scheint gefunden! Das ist die Grundlage von Cixin Lius „The Three-Body Problem“.
Im Jahr 1968 – mitten in der Kulturrevolution – sendet die chinesische Wissenschaftlerin Ye Wenjie eine Nachricht ins All. „Wer da draußen ist, um zu hören, der höre.“ Und acht Jahre später kommt die Antwort. Allerdings nicht so, wie erwartet. Vielmehr eine Warnung. Eine geplagte, vom Untergang bedrohte Kultur sucht einen neuen Planeten. Einen, auf dem es stabile Umweltbedingungen gibt. Einen zum Überleben.
Ye Wenjie wittert ihre Chance. Von der Revolution enttäuscht und angewidert von all den menschlichen Unzulänglichkeiten, beschließt sie, dass es an der Zeit ist, der Menschheit eine Lektion zu erteilen. Sie sendet eine Einladung zur Invasion: „Kommt nur her, hier könnt ihr euch niederlassen“. Im besten Fall könnte die neue und überlegene Zivilisation die Menschheit kultivieren. Im schlimmsten Fall müssten eben alle Erdbewohner sterben. Das ist Evolution.
Kurze Zeit später beginnt ein reger Austausch mit den Fremden. Schnell finden sich noch andere Wissenschaftler, die die Ankunft der Anderen schon nicht mehr erwarten können. Eine ganze Gemeinschaft entwickelt sich, neue Mitglieder werden durch ein Computerspiel „Three-Body“ in die Welt der Außerirdischen eingeführt und arbeiten so auch an den Invasionsplänen mit. Die Raumschiffe sind bereits gestartet und auf dem Weg zur Erde – alles scheint seinen Gang zu gehen.
Doch noch ist nichts sicher. Ye Wenjies Gemeinschaft spaltet sich in zwei Lager: Die Radikalen, die die Ausrottung der Menschheit befürworten – schließlich habe sich diese als weltbeherrschende Rasse nicht bewährt. Und die Gemäßigten, die auf eine friedliche Koexistenz hoffen. Die Lager stehen vor einem Bürgerkrieg. Und dann gibt es noch die Übrigen, denen langsam aber sicher immer klarer wird, dass die Tage der Erde, so wie sie sie kannten, gezählt sind. Dass es nur noch eine Frage der Zeit ist, bis es zum Krieg kommt. Und dass ihnen nur noch 450 Jahre (solange wird es bis zur Ankunft noch dauern) zur Vorbereitung auf dieses Zusammentreffen bleiben.

„The Three-Body Problem“ ist ein Meisterwerk und als erster Teil einer Trilogie verspricht es uns für die nächsten Jahre noch großen Genuss. Ich kann als Leserin, die ich weder chinesische noch englische Muttersprachlerin bin, keine fundierte Aussage über die Sprache von Original und Übersetzung geben. Aber mein Eindruck ist, dass sich sowohl Autor als auch Übersetzer mit großer Hingabe an das gemacht haben, was Leser_innen meist die größte Freude bereitet: Ein liebevoll erstelltes Bild einer Geschichte, gut recherchiert und intelligent gemacht, ohne dabei mit zuviel Details überfrachtet zu sein. Denn so viel physische, astrophysische und andere wissenschaftliche Details in einen spannenden Plot einzubauen, kann auch schiefgehen. So viele Personen, historische Gegebenheiten und politische Zusammenhänge in einem Science-Fiction-Roman unterzubringen, birgt oft die Gefahr, langweilig oder überfordernd zu sein. Aber hier ist das außerordentlich gut gelungen. Besonders hervorzuheben erscheint mir dabei das philosophische Problem, dass hier entwickelt wird: Was macht es mit uns, unserer Gesellschaft und unserer Sicht auf den Menschen, wenn wir mit Sicherheit wissen, dass in 450 Jahren Schluss sein wird?

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